Dein Kameradisplay lügt - das Histogramm nicht

Jeder der sich regelmäßig mit Fotografie beschäftigt oder auch nur ab und an mal mit seiner Kamera durch die Gegend zieht kennt es, das Über- oder Unterbelichtete Foto. Am Ort des Geschehens habt ihr noch auf euer Display geschaut und alles sah toll aus. Motiv - top, Position - top, Licht - top. Ihr kommt glücklich über euer neuestes Meisterwerk nach Hause, schaltet den PC ein, guckt euch das Bild in einem Bildbetrachtungsprogramm an und seht das Dilemma. Das Bild ist viel zu hell, man erkennt keine Details mehr und überhaupt ist das Bild für die (virtuelle) Tonne.

Aber was ist passiert? Vielleicht war die Verschlusszeit falsch einstellt. Vielleicht war die ISO zu hoch oder die Blende zu weit geöffnet. Oder auch von allem ein bisschen. Dies können u.a. ein paar Gründe für ein überbelichtetes Bild sein. Und hier kommt das Histogramm ins Spiel.

Das Histogramm lässt sich in der Bildervorschau auf deiner Kamera meist mit der Infotaste und/oder den Pfeiltasten einblenden (unterschiedlich je nach Hersteller und Modell). Gelesen wird das Histogramm von links nach rechts oder von rechts nach links. Links liegen die Tiefen (dunkel), in der Mitte findet ihr die Mitteltöne und rechts liegen die Höhen (Lichter). Also die Verteilung der jeweiligen Tonwerte. Je mehr Ausschläge du in einem Bereich siehst, umso mehr Tonwertanteile hat dieser Bereich.

Erstes Beispiel: Ihr seht auf eurem Histogramm auf der linken Seite (oberstes Beispielbild) einen starken Anstieg. Es wird also viele Tiefen- (dunkle) anteile haben und auf eurem Monitor als zu dunkel angezeigt werden.

Zweites Beispiel: Ihr seht auf der rechten Seite (mittleres Beispielbild) einen starken Anstieg. Dieses Bild weist also einen hohen Lichter- (höhen) anteil aus und wird überbelichtet sein.

Drittes Beispiel: Wenn euer Histogramm ausgeglichen (unteres Beispielbild), also weder große Anstiege rechts oder links, ausschaut, dann wird euer Bild vernünftig belichtet sein.

Tipp: Natürlich ist ein, bereits bei der Aufnahme, richtig belichtetes Bild ideal. Manchmal lässt es die Situation vor Ort aber einfach nicht zu. Ein Kompromiss wäre es, das Bild ein wenig zu dunkel aufzunehmen. Die heutige Kameratechnik vermag es schon ziemlich gut, die Bilddetails in den dunklen Bereichen "zu retten" und auf den Monitoren doch noch mehr oder weniger Detailgetreu wiederzugeben. Mittels Bildbearbeitung kann man ein zu dunkles Bild also noch bis zu einem gewissen Grad aufhellen. Ein überbelichtetes, ausgebranntes Bild ist jedoch für den virtuellen Papierkorb.

 

Ich kann euch also nur raten, nehmt euch genügend Zeit bevor ihr den Auslöser drückt. Macht Probefotos zunächste ohne eure Models und tastet euch mittels Vorschaubild und eingeblendeten Histogramm an die richtige Belichtung heran.

 

 

Dieses Bild ist zu dunkel. Das Histogramm wird also einen starken Anstieg auf der linken Seite anzeigen.

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Bild ist zu hell. Das Histogramm wird einen starken Anstieg auf der rechten Seite anzeigen.

 

Dieses Bild ist richtig belichtet. Das Histogramm wird ausgeglichen angezeigt.

 


* Das Ausgangsbild ist dasselbe (deswegen die identischen Exifs). Die Belichtung (und damit auch das Histogramm) wurde zur besseren veranschaulichung mit Lightroom verändert.