"Richtig Scharf" - richtiges Fokussieren

Hallo, toll das du wieder auf meinem Blog gelandet bist :-) Du hast dich doch sicher auch schon mal über ein unscharfes Bild geärgert, oder? Dann bist du hier genau richtig, denn hier geht es um "richtig scharfe Bilder". Stellen wir uns mal folgende Situation vor. Du hast dein Model vor einem schönen Hintergrund platziert, gehst in die richtige Position um das Foto zu knipsen, schaust dir das Bild in der Vorschau deiner Kamera an und siehst das Problem. Hintergrund scharf, Model unscharf. Aber was ist passiert? War deine Kamera evtl. im Automatikmodus? Der Fokuspunkt richtig gesetzt? Zumindest teilweise könntest du daran schuldig oder auch unschuldig gewesen sein :-)

Jede Spiegelreflex- oder auch Systemkamera bietet dir zwei Möglichkeiten zum Fokussieren. Die manuelle und die automatische Fokussierung. Im Automatikmodus (A) deiner Kamera fokussiert die Kamera gänzlich automatisch. Du hast keine Wahl was oder wer scharf gestellt wird. Deine Kamera analysiert in diesem Modus den Bildinhalt und fokussiert auf den Bildteil, der am prägnantesten erscheint. Mit anderen Worten: Der Teil, der am nähesten zur Kamera liegt oder auch der Teil, der sich von den Tonwerten am meisten abhebt.

Welcher Teil des Hundes wäre z.B. der zur Kamera hin naheliegenste? Richtig, die Nase. Wenn es dumm läuft wirst du im Automatikmodus (A) deiner Kamera also ziemlich häufig schön scharfe Nasenspitzen haben. Aber wollen wir das? Ein ganz klares Nein. Was tun wir also dagegen? Wir wählen den halbautomatischen bzw. den manuellen Modus (M) der Kamera, denn dort kannst du wählen ob du mit deinem Objektiv automatisch oder manuell fokussieren möchtest.

Stell dir mal folgende Situation vor: Du hast eine total hübsche zarte Blume entdeckt und möchtest diese fotografieren. Vor und hinter der Blume befinden sich andere Bildelemente (z.B. Gras, Blätter oder andere Blumenarten) die du aber nicht scharf ablichten möchtest. Weil die Blume so zart ist, springt im automatischen Modus deines Objektivs die Fokussierung immer wieder zwischen Blume und Gras (oder den Blättern, oder den anderen Blumen) hin und her.

Beim komplett manuellen fokussieren (manueller Modus deiner Kamera (M) plus manueller Modus deines Objektivs (MF)) drehst du selber am Fokusring deines Objektivs und hast die freie Entscheidung darüber an welcher Stelle des Bildes der Fokuspunkt scharf gestellt wird. Klingt erstmal ziemlich toll, ist in der Praxis aber manchmal ganz schön tricky. Dein Sucherbild ist ziemlich klein und auch das Display nicht immer gut zu erkennen, was es ziemlich schwierig macht die richtige scharfe Stelle zu erkennen. Dennoch ist in so einer Situation der komplett manuelle Modus die erste Wahl.

Nun möchtest du aber keine Blume fotografieren, sondern Hunde. Und die sind schnell. Manchmal sogar ziemlich schnell. Dein Motiv beim rennen zu verfolgen und dabei noch den Fokusring deines Objektivs zu drehen, ist also so ziemlich unmöglich. Abhilfe schafft hier der Auto-Fokus (AF) deines Objektives im manuellen Modus (M) deiner Kamera. Beim Fotografieren von Hunden wäre also der Automatikmodus deines Objektivs (AF) häufig die erste Wahl. Mit Hilfe der verschiedenen Bildpunkte (AF-Messfelder) nimmst du nun also die Augen deines Hundemodels (in der Tierfotografie wird zu 99% immer auf die Augen fokussiert) in den Fokus, drückst deinen Auslöser halb durch, die Kamera stellt scharf (meistens durch ein kurzes Blinken, eine rote Anzeige im Sucher, oder auch durch ein Piepen der Kamera, angezeigt) und drückst ab. Das scharfe Bild ist im Kasten.

AF-Messfelder: Die verschiedenen Kameramodelle bieten eine verschiedene Anzahl von Bildpunkten. Das können z.B. 9, 11, 15, 39 oder auch 179 (Sony Alpha 6000) sein. Wenn möglich, solltest du immer den mittleren AF-Messpunkt wählen und damit scharf stellen, denn dieser ist bei den meisten Kameras ein sogenannter Kreuz-Sensor und arbeitet noch einmal präziser als die anderen AF-Messpunkte, da er horizontal und vertikal messen kann.

Der Fokus Modus:

 

Eigentlich alle Kameras bieten unterschiedliche Fokus Modus Methoden.

 

  • One Shot (Canon) bzw. AF-S (Nikon und Sony) ist bei unbeweglichen bzw. wenig beweglichen Motiven der favorisierte Fokus Modus.
  • AI Servo AF (Canon) bzw. AF-C (Nikon und Sony) ist für Motive geeignet, die sich während der Aufnahme bewegen. In diesem Modus drückst du den Auslöser halb herunter und die Kamera fängt an zu fokussieren. Solange du nun den Auslöser halb herunter gedrückt hältst, kannst du dem sich bewegenden Motiv folgen und im richtigen Moment den Auslöser voll herunter drücken.
  • AI Focus AF (Canon) bzw. AF-A (Nikon und Sony) ist eine Mischung aus den beiden vorgenannten Fokussier-Methoden. Hier wechselt die Kamera zwischen One-Shot und Servo AF hin und her, sobald sich das Motiv bewegt bzw. stehen bleibt.

 

Puh, jetzt ist dieser Blogeintrag doch noch ausführlicher geworden als geplant. Aber wie du siehst, ist das Thema Fokussieren ganz schön umfangreich. Ich hoffe, ich habe dich nicht gelangweilt und konnte dir das Thema Fokus ein wenig näher bringen. Wie immer hast du natürlich die Möglichkeit, bei Fragen auf den verschiedensten Wegen mit mir in Kontakt zu treten. Und nun wünsche ich dir viel Spaß beim ausprobieren der verschiedenen Fokussier Möglichkeiten :-)

Quelle Foto Chilischote: pixabay.com