Fotografierst du noch oder bearbeitest du schon?

"Früher brauchte man nur eine Kamera und ein gutes Auge - heute einen guten PC!", "Das ist doch gar nicht mehr realistisch!", "Wer richtig fotografiert, der braucht seine Bilder nicht zu bearbeiten!"...

Egal ob auf den diversen Social Media Plattformen, bei meinen Workshops oder auch bei meinen Shootings selber, ein bestimmtes Thema ist heutzutage wenn es um die Fotografie geht immer präsent - die Bildbearbeitung. Zumindest auf Facebook und Co. geht es dann bei diesem Thema immer heiß her, es wird mehr oder weniger sachlich diskutiert und am Ende stellt sich immer wieder heraus: Für die einen ist es Fluch und für die anderen Segen der modernen digitalen Fotografie.

Was aber kaum jemand wahrhaben will ist, dass auch schon zu analogen Zeiten die Bilder meistens nicht zu knapp bearbeitet wurden. Da wurden Glasplatten (Vorläufer von fotografischen Filmen) mit Bleistift und Pinsel "angemalt" um Falten zu retuschieren, es wurden beim Vergrößern ganze Himmel montiert die von anderen Aufnahmen stammten oder im Schwarz-Weiß-Labor bestimmte Bereiche heller oder dunkler belichtet um kreativ in das Foto einzugreifen. Ihr seht also, auch früher schon hat man sich eine Menge Arbeit gemacht um seine Fotos qualitativ aufzuwerten. Heutzutage geht es nur bedeutent schneller und unkomplizierter.

Wer von den "Ich bearbeite meine Bilder nicht!" Verfechtern fotografiert denn eigentlich im jpg-Format und hat seine Weißabgleich-Einstellungen auf Automatik gestellt? Auch hier passiert schon eine Bildbearbeitung innerhalb der Kamera während des Fotografie- bzw. Speichervorgangs des Bildes. Hätte man so ja erstmal auch nicht erwartet...

 

Für alle die ihre Bilder im Raw-Format schießen (so wie ich), ist eine nachträgliche Bearbeitung ihrer aufgenommenen Bilder unumgänglich. Denn anders wie im jpg-Format lässt die Kamera die Bilder im Raw-Format so wie sie beim drücken des Auslösers sind. D.h. sie speichert lediglich die Helligkeitswerte des Aufnahmezeitpunkts ab und überlässt die Ausbelichtung mir und meinem Bildbearbeitungsprogramm. Hierfür benutze ich Adobe Lightroom oder den Raw Converter von Adobe Photoshop, denn dort kann ich Höhen, Tiefen, Lichter u.v.m. genauso einstellen wie ich es gerne hätte und wie es meiner Idee vom fertigen Bild entspricht. Hier kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen, ich kann einen "verträumten" Look erstellen oder auch mal die Farbgestaltung anpassen, ganz wie ich es für richtig halte und/oder dem Kundenwunsch entspricht.

 

Deswegen bin ich der modernen Fotografie und der digitalen Bildbearbeitung auch wirklich dankbar. Ich kann mich ganz individuell auf jeden von mir portraitierten Hund einlassen, kann positives hervorheben oder negatives "verschwinden" lassen. Ich kann störende Elemente wie Zäune, Laternen oder Mülltonnen entfernen, Kälte in Wärme verändern oder Augen zum leuchten bringen . So kann der wegen eines Jagdtriebs nicht ableinbare Hund auf Wunsch seines Halters auch ohne Leine und Halsband oder Geschirr auf einer schmucken Leinwand das Wohnzimmer zieren.

Selbstverständlich sollte die Grundlage einer gelungenen Bearbeitung immer schon ein bestmöglich belichtetes Bild sein. Leider muss ich täglich auf Social Media registrieren, das das bei der immer weiter steigenden Zahl an "Hundefotografen" immer seltener der Fall ist. Aber das ist ein anderes Thema...

Ob nun jemand seine Bilder wenig oder stark bearbeitet, einen komplett anderen Look kreiert oder einfach nur ein wenig nachschärft, das überlasse ich jedem selbst. Geschmäcker sind nunmal Gott sei Dank verschieden! Es wird auch nicht jedem meine Art der Bearbeitung gefallen. Damit kann ich aber gut leben. Die grundsätzliche Ablehnung einer Bildbearbeitung kann ich jedoch nicht nachvollziehen, denn eine gute Bildbearbeitung gehört zur Fotografie, egal ob analog oder digital, einfach dazu.