Die Canon EOS 5D Mark IV in der Hundefotografie - Ein Langzeittestbericht

Ich muss zugeben, ein bisschen geflunkert ist die Zusammenfassung meines neuesten Blogbeitrags ja schon. Das Jahr mit der Canon EOS 5D Mark IV ist noch nicht ganz rum, trotzdem hatte ich nun genügend Zeit sie ausgiebig zu testen. Egal ob privat oder bei meinen Shootings, bis jetzt hat sie mich nie im Stich gelassen. Soviel sei schon mal vorweg genommen.

 

Meine alte Canon EOS 750D hatte mich nicht mehr glücklich gemacht. Zu wenig Möglichkeiten, zu viel Rauschen auch schon in geringen ISO Bereichen, der allgemeine Wunsch auch mal das Vollformat auszuprobieren... Das alles und noch ein paar andere Punkte ließen mich auf die Pirsch nach einer neuen Kamera gehen. Pirsch bedeutet in diesem Fall unzählige Reviews lesen, Youtube Videos anschauen, Leistungsdaten vergleichen, usw..

 

Jetzt ist bald ein Jahr mit der 5D IV rum und einige Shootings liegen hinter uns. Ich habe meine Erfahrungen mit ihr gesammelt, sei es bei schlechtem Wetter, am Strand (Stichwort: Sand) oder in der Stadt. Ich habe Hunde aller möglichen Fellfarben und Größen fotografiert. Outdoor, sowie im Studio. Nun ist es an der Zeit für einen Langzeiterfahrungsbericht. In meinem Test soll es weniger um knallharte Leistungsdaten und Schärfetests gehen, dafür sind eher Seiten wie Traumflieger.de oder auch DPReview.com bekannt und ich denke auch besser geeignet. Deshalb möchte ich euch lieber über meine persönlichen Erfahrungen mit der 5D Mark IV berichten.

 

Die Canon EOS 5D Mark IV - Ein Arbeitstier

In der ganzen Zeit hatte ich keinerlei technische Probleme mit der 5D Mark IV. Egal welche Objektive ich genutzt habe (eine bunte Mischung aus Canon, Tamron und Sigma), sie haben alle immer fehlerfrei funktioniert. Keine Fokusprobleme, nichts. Alle Blitzfunkauslöser haben ihren Dienst getan (Jinbei und Yongnuo getestet) und auch die Blitze selber haben immer ausgelöst. 2,4G Wireless sei Dank.

Die 5D Mark IV war immer verlässlich. Egal ob es draußen Minusgrade oder Rekordhitzetemperaturen gab, ob es geregnet oder geschneit hat, die Kamera hat immer ihr bestes gegeben (und ich natürlich auch :-)). Wasserspritzer, Dreck und Hundesabber konnten ihr nichts anhaben. Auch den Crash mit einer nicht mehr rechtzeitig stoppenden Bulldogge hat sie überlebt. Und wenn ein Bild dann mal doch nicht hingehauen hat, dann lag es eher an mir und nicht an der Kamera :-) Für manche scheint so eine Zuverlässigkeit heutzutage selbstverständlich zu sein, wer aber einmal auf seine Kamera wirklich angewiesen war, z.B. wegen eines Jobs, der weiß das natürlich sehr zu schätzen.

 

Mindestens genauso wichtig wie die Zuverlässigkeit, ist aber auch das Handling. Wer einmal im Elektromarkt eine Reihe von Kameras der verschiedenen Hersteller durchprobiert und die individuellen Unterschiede festgestellt hat, der weiß das. Canon ist nicht gleich Nikon. Nikon ist nicht gleich Sony, usw.. Für jemanden wie mich, mit relativ großen Händen, ist es unglaublich wichtig das die Kamera gut in der Hand liegt und die ganzen Knöpfe und Auswahltasten nicht zu eng beieinander und auch nicht zu nah an den Fingern liegen. Wie schnell ist mal ein Rädchen ausversehen verstellt und damit die Belichtung dahin. Das ist auch der Grund warum ich mit den meisten Systemkameras nicht klar komme. Zu klein und zu eng ist da alles für mich gebaut. Eines der eben erwähnten Auswahlrädchen kann man bei der 5D IV sogar locken. Super praktisch wie ich finde. Die 5D IV liegt mir persönlich super gut in der Hand, die Ecken sind allesamt abgerundet und der Griff schmiegt sich an meine Finger. Der zusätzlich erhältliche Batteriegriff rundet das ganze Handling dann nochmal ab.

 

Nicht jede Taste ist ab Werk sinnvoll belegt wie ich finde, manche Funktionen sind einfach unnütz oder doppelt belegt. Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt, denn selbstverständlich ist bei einer Kamera dieser Preisklasse fast jede Taste auch frei belegbar. Zum Beispiel die M-Fn Taste neben dem Auslöser: Umschalten zwischen RAW und JPEG während des Fotografierens braucht ihr nicht? Ich auch nicht. Warum also nicht die Belichtungskorrektur, den Weißabgleich und die Belichtungsmessmethode darauf legen? Auch wenn es vielleicht nicht für jeden das passende ist, aber man kann es ja auch nicht jedem Recht machen :-)

Die Bildqualität der 5D IV

Klar, eine Kamera soll qualitativ hochwertige Bilder schießen. Das ist ja schließlich ihr Job. Kann das die 5D Mark IV? Definitiv. Hinter der Konkurrenz von Nikon, Sony und Konsorten muss sie sich jedenfalls nicht verstecken. Besonders positiv aufgefallen und mit einer der Hauptgründe für meinen Wechsel ist der Dynamikumfang. Grade bei der Nachbearbeitung der Bilder hat man nun viel mehr Möglichkeiten, aus den dunklen Bildbereichen noch einiges an Bildinformationen rauszuholen.

 

Die 30 Megapixel benötigt man eigentlich nicht wirklich, trotzdem ist es natürlich nett sie zu haben. So lässt sich bei der Bearbeitung der Bilder der Bildausschnitt doch noch deutlich verkleinern, ohne an Qualität zu verlieren. Und sollte man doch mal einen großen Druck wie eine Leinwand oder ähnliches produzieren lassen, sind auf jedenfall genügend Megapixel vorhanden um die benötigte Auflösung zu liefern.

 

Wo mir bei meiner alten 750D die ISO Werte bereits Bauchschmerzen bereiteten, kann ich nun mit der 5D IV ganz locker bleiben. ISO 3200, überhaupt kein Problem. Auch darüber hinaus macht die 5D IV noch ordentliche Bilder, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache :-)

 

Den von Canon so angepriesenen Dual-Pixel-Raw Modus habe ich außer nach einem kleinen Test kurz nach dem Kauf der Kamera nicht mehr genutzt. Wo sich der nachträglich verschiebbare Fokus noch ganz nett anhört, ist es bei der Nachbearbeitung (möglich nur mit der Canon Software) einfach nur unpraktisch. Außerdem werden die Dateimengen viel zu groß.

 

(K)eine Videokamera?

Eine Kamera ausschließlich zum Filmen ist die 5D Mark IV natürlich nicht. Soll sie aber auch gar nicht. Dafür gibt es andere Kameras auf dem Markt. Trotzdem macht sie auch hier eine ganz passable Figur. 4k ist vorhanden, das Bild wird dann aber gecropped. Schade wenn man doch eigentlich eine Vollformat-Kamera nutzt. 4k nutze ich aber auch so nicht wirklich häufig. Mir reichen die FullHD Aufnahmen bei 25 oder 50 FPS.

 

Was richtig gut ist, ist der neue Autofokus. Sobald ein Gesicht im Bildschirm auftaucht, wird dieses präzise erfasst und der Autofokus folgt ihm. Und das macht er richtig zuverlässig. Durch den Touchscreen am Display lässt sich das ganze auch richtig intuitiv bedienen, fast wie ein Smartphone.

 

Damit wären wir bei einem ziemlich großen Kritikpunkt. Das fest verbaute Display. Das Display hat eine angenehme Größe und ist hochauflösend, keine Frage. Aber da lässt sich nichts ausklappen, nichts drehen und nichts schwenken. Das konnte sogar meine alte 750D. Gerade für die Froschperspektive vermisse ich das Klappdisplay ganz schön. Schade das Canon es nicht geschafft hat, dieses bei einer ehemals 4.000,- € teuren Kamera zu integrieren.

 

Ein weiterer Kritikpunkt beim filmen (und auch beim fotografieren) ist das fehlende Focus-Peaking. Bei den Systemkameras ist das nichts außergewöhnliches mehr. Und wenn wir mal ehrlich sind, ist das auch nur eine reine Softwaregeschichte. Die Technik ist nicht das Problem. Canon könnte das locker per Update nachschieben, aber nur Canon weiß, warum sie das nicht schon lange getan haben.

Updates? Fehlanzeige

Apropos Updates... Heutzutage ist es völlig normal, alle möglichen technischen Geräte upzudaten (oh Gott, was für ein Wort :-D). Handys, Tablets, Uhren, Laptops, ja sogar Küchengeräte und eben auch Kameras, alles wird regelmäßig geupdatet. Und Canon? Die haben die Firmware der 5D Mark IV das letzte mal im März 2018 aktualisiert. Neue Features? Fehlanzeige. Lediglich ein paar Fehler wurden behoben. Das kennt man von anderen Herstellern anders. Die hören auf ihre Nutzer und liefern sinnvolle Änderungen nachträglich aus. Ist vielleicht noch nicht bei Canon angekommen. Sollte es aber.

Fazit

Die Canon EOS 5D Mark IV war mir im letzten Jahr eine treue Begleiterin und ich bin mir 100% sicher, das sie es auch die nächsten 10 Jahre noch sein wird. Ist sie die perfekte Kamera? Sicherlich nicht. Aber das ist wohl keine. Für mich und meine Anwendungsbereiche ist sie aber eine sehr gute und zuverlässige Kamera. Wer sich zum Kauf entscheidet bekommt eine Kamera, die sich in sämtlichen Bereichen nicht hinter anderen Kameras verstecken muss. Die Bildqualität ist Weltklasse, das Handling für meine Verhältnisse fantastisch. Die Videofunktionen sind für mich vollkommen ausreichend und der Preis ist nun mittlerweile, drei Jahre nach Markteinführung, für die gebotenen Möglichkeiten ebenfalls akzeptabel. Die Hoffnung auf sinnvolle Updates ist weiterhin da, auch wenn sie nicht mehr allzu groß ist. Canon muss nur aufpassen nicht den Anschluss an Sony oder Nikon zu verlieren.