Vom Vollformat zurück zu APS-C, ist der denn bescheuert?

Die in der Überschrift gestellte Frage möchte ich dann auch sogleich beantworten. Desöfteren :-) Was aber die Fotografie im allgemeinen und meine Art der Fotografie im speziellen angeht, bin ich eigentlich ganz klar im Kopf und die Entscheidung mir die Fujifilm X-T3 als Zweitkamera zuzulegen hätte bewusster nicht sein können. Ihr lest richtig. Zweitkamera. Als professioneller Hundefotograf bin ich auf mein Arbeitsgerät angewiesen und die Zuverlässigkeit der Canon 5D Mark IV ist unabstreitbar. Über die X-T3 kann ich noch nicht viel sagen, weil ich sie noch nicht lange genug im Einsatz und nicht ausreichend genug getestet habe. Aber wir werden uns schon noch aneinander gewöhnen.

 

Aber erst mal langsam und von vorne. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, oder zumindest ab und an schon mal reingeschaut hat, der weiß, wie lange ich nun schon mit der Fujifilm X-T3 flirte. Bereits seit ihrer Markteinführung im September 2018 liebäugle ich nun schon mit diesem Retro-Augenschmaus. Das silberne Design, die manuellen Einstellräder, die Retro Optik, die Fülle an technischen Finessen... Das alles weckte von Anfang an Begehrlichkeiten bei mir. Was das Design angeht, hat Fujifilm in meinen Augen den perfekten Job gemacht. Die manuellen Einstellräder aus Metall, die Anordnung der Knöpfe, das silberene Design (die X-T3 gibt es auch in schwarz, in schwarz finde ich sie persönlich aber nicht ganz so ansprechend wie in Silber), das klappbare Display... Einfach alles an ihr hat mich total angemacht. 100 Punkte an Fuji dafür, es gibt fast nichts zu meckern. Außer vielleicht ein ganz kleines bisschen die Größe des Bodys. Ich hatte in einem vorherigen Blogbeitrag ja schon mal meine relativ großen Finger angesprochen. Die Probleme hätte ich aber mit jeder anderen spiegellosen Systemkamera auch gehabt und es kann ganz einfach Abhilfe mit dem passenden Batteriegriff geschaffen werden. Der bietet außerdem den zusätzlichen Vorteil, die Akkuleistung immens zu steigern. Immerhin kann das gute Stück dann gleich mit drei Akkus lospowern und ist dabei immer noch kleiner und leichter, als ein entsprechendes DSLR Pendant mit Batteriegriff.

 

Aber ich habe doch über meine letze APS-C Kamera, die Canon 750d, so über das Rauschverhalten im High ISO Bereich gemeckert werdet ihr jetzt sagen. Wie kann ich mir dann bloß wieder eine APS-C Kamera zulegen? Nun, sagen wir es mal so. Die Fujifilm X-T3 wird sicherlich nicht das Dynamikverhalten an den Tag legen, wie meine Canon 5d Mark IV oder eine Nikon D850. Darüber bin ich mir durchaus bewusst. Aber trotzdem sollte man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Zwischen meiner letzten APS-C Kamera und der Fuji X-T3 liegen einige Jahre Entwicklungszeit und ein komplett anderer Sensor. Natürlich wird die Fuji unter Extrembedingungen und mieserablen Lichtverhältnissen irgendwann an ihre Grenzen kommen. Das ist logisch. Erste Tests von mir haben aber gezeigt das sie noch locker bis ISO 3200 bei den "großen" mitspielen kann und mit den entsprechenden Einstellungen, geht da glaube ich sogar noch mehr. Und das genügt mir, gerade als Zweitkamera, allemal.

Dafür bietet sie mir einige andere, neue Möglichkeiten:

 

- Punkt 1: Das Gewicht! Das spiegellose Kameras den DSLR Kameras in Punkto Gewicht deutlich überlegen (bzw. unterlegen ;-)) sind, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Dazu das handliche Format. Klein und kompakt liegen sie in der Hand. Gut, für jemanden wie mich mit großen Flossen eher ein Nachteil, dennoch sind sie deutlich transportabler und leichter "mal eben wegzustecken" als Spiegelreflexkameras.

 

- Punkt 2: Die Technik! Fokus Peaking? Check. Zebramuster? Check. Elektronischer Sucher, der dir umgehend geänderte Belichtungseinstellungen direkt im Sucher anzeigt? Check. Geräuschlose Auslösung (bei Hochzeitsfotografen beliebt und begehrt)? Check. Gesichtserkennungs-Autofokus? Check. Soll ich die Liste noch weiterführen? Ich glaube, das spar ich mir mal :-)

 

- Punkt 3: Das (Klapp)Display! Endlich wieder ein Display zum klappen! Herrgott, was habe ich es vermisst. Es geht selbstverständlich auch ohne, ich bin ja jetzt lange genug auch so ausgekommen. Aber es ist trotzdem so so schön wieder eines zu haben.

 

- Punkt 4: Updates! Endlich Updates! Und ich rede nicht von irgendwelchen Bugfixes, sondern richtige, weiterführende Updates. Wusstet ihr das Fujifilm der X-Pro 2 nachträglich (immerhin über ein Jahr nach Markteinführung), eine 4k Videofunktion spendiert hat? Ich meine, dass war aufgrund des bereits vorhandenen Sensors sicherlich keine große Schwierigkeit für Fuji, aber trotzdem unglaublich Lobenswert!

- Punkt 5: Zwei SD Kartenslots! Braucht nicht jeder, weiß ich. Aber ich weiß auch unglaublich gerne, dass meine Bilder im Ernstfall gut aufgehoben und doppelt gesichert sind. Gerade wenn ich meine Kamera beruflich benötige oder die letzten Urlaubsbilder nicht verlieren möchte. Und hey, Canon hat es bei seiner neuen "Innovation" Canon R gar nicht erst geschafft, dieses Gimmick einzubauen.

- Punkt 6: Alleine durch ihr Design habe ich wieder unglaublich Bock, zu fotografieren. Auch außerhalb meiner Aufträge. Es ist Anfangs ungewohnt, das gebe ich zu, Aber das ist für mich u.a. der Reiz an der ganzen Geschichte. Sein Arbeitswerkzeug kennen zu lernen, es blind zu beherrschen und das Bild im Kopf umzusetzen.

 

- Punkt 7: Video Perfomance. Ist für mich in den letzten Wochen ziemlich wichtig geworden. Ich weiß, das die X-T3 in erster Linie eine Foto- und keine Videokamera ist. Aber immerhin ist sie eine der wenigen spiegellosen APS-C Kameras, die 4k mit 60P und mit 10 Bit aufnehmen kann. Das schaffen noch nicht viele Kameras. M.W.n. neben der X-T3 nur die GH5 von Panasonic und die Kameras von Blackmagic, wobei das schon wieder keine Fotokameras sind.

- Punkt 8: Erwähnte ich schon das Gewicht? Ich weiß, habe ich :-) Ihr könnt euch aber nicht vorstellen wie schön es ist, nachdem man zig Jahrelang mit x Kilos auf dem Rücken umhergelaufen ist, nun wieder so ein Leichtgewicht zu transportieren. Deswegen darf der Punkt ruhig doppelt gelten :-)

- Punkt 9: Blendensteuerung über einen Ring am Objektiv. Ist das cool oder was? Analog Feeling pur. Mittlerweile auch von Canon in ihrem R System angeboten, finde ich es einfach nur eine super entspannte Angelegenheit, nicht mühsam irgendwelche Tasten und Rädchen Kombinationen zu betätigen um die Blende zu verändern, sondern ganz entspannt am Objektiv zu drehen.

 

- Punkt 10: Die Filmsimulationsmodi (Classic Chrome, Provia, Astia, etc.). Endlich lohnt es sich wieder im Jpeg Format zu fotografieren und man hat so unglaublich viele kreative Möglichkeiten! Man steht auf den klassischen Analogen Look? Kein Problem! Kurz die passende Filmsimulation eingestellt und schon hat man ihn. Oder man mag es doch lieber etwas moderner digital? Dann dreht man halt kurz am Rädchen und schon hat man das gewünschte Ergebnis. Das man jede Filmsimulation selbstverständlich auch noch mal extra auf die eigenen Vorlieben individualisieren kann, muss ich bestimmt nicht erwähnen :-)

Werde ich es also bereuen, mir ein zusätzliches System angeschafft zu haben? Ganz sicher nicht. Zu viel Freude bereitet mir die Fujifilm X-T3 einfach jetzt schon nach nur wenigen Tagen. Ich werde sicherlich noch im Laufe der Zeit Dinge an ihr entdecken, die mich stören werden. Aber welche Kamera ist schon perfekt? Keine! Sie wird aber ganz bestimmt eine tolle Ergänzung zu meinen bisherigen Equipment werden. Mit dem Fujinon XF 16-55mm F2.8 R LM WR habe ich nun auch den geringeren Brennweitenbereich perfekt abgedeckt (für das Canonsystem habe ich noch das 35mm F1.4 und das 50mm F1.4 Sigma Art und das 16-35mm F4 Canon L). Mit dem Adapter der Firma Fringer, dem EF-FX Pro II, besteht sogar die Möglichkeit, meine bereits vorhandenen EF Objektive an die X-T3 zu adaptieren und das ohne! spürbare Verluste beim Autofokus. Alleine diese Möglichkeit ist so genial! Ich freu mich schon auf den ersten Test mit meinem Canon 70-200 F2.8 II :-)

Meine bereits vorhandenen Aufsteckblitze Yongnuo YN560IV, YN568EXIII und sogar mein Studioblitz Jinbei HD 610 sind allesamt mit den bereits vorhandenen Funkauslösern zumindest im manuellen Modus mit der X-T3 kompatibel und das reicht mir auch erstmal. Damit sind schon mal einige Anschaffungskosten gespart. Die HSS und TTL Funktionen werde ich noch testen, darüber halte ich euch dann in einem späteren Blogbeitrag bestimmt auf dem laufenden.

 

Werde ich irgendwann mein komplettes Canon Equipment verkaufen und einen kompletten Systemwechsel zu Fujifilm vollziehen? Wer weiß. Für's erste möchte ich nun aber erstmal alle Vorteile und Bequemlichkeiten beider Systeme für mich und meine Kunden nutzen :-)